KIND IM MANNE

Wir liegen ineinander fest verschlungen.

Mir war, als hätt' ein wildes Tier gesungen.

Wir öffnen uns und fühlen uns als Paar.

Mir ist, als wenn da schon mal etwas war.

 

Ich stecke tiefer drin von Nacht zu Nacht.

Die Frauen denken doch nur an das Eine.

Sie brüsten sich und zücken ihre Beine

Und ich bin wieder um den Schlaf gebracht.

 

Mein Kind im Manne steht noch gut im Futter.

Es bleibt mein Kind und ich, ich bleibe Mann.

Die Frauen finden's Kind und finden dann,

Es ist so süß - und spielen gleich die Mutter.

 

Sie finden es so hilflos und erziehen

Das Kind im Manne und den Mann gleich auch.

Das Kind wird mager und der Mann kriegt Bauch.

Dann stirbt das Kind und Mann kann nicht mehr fliehen.

 

Wo bleibt die Leidenschaft, der lange Kuss?

Sie sind vergangen schon nach ein paar Tagen.

Man fragt sich still und stellt doch keine Fragen

Und tut, was man schon lange tuen muß.

 

Ich will mit Frauen praktisch nichts mehr klären.

Ich habe Sehnsucht und ich habe Lust

Und kriege doch nur noch die Mutterbrust

Und liege zwischen messerscharfen Scheren.

DRUNTER UND DRÜBER

 

 

Über den Tischen ruhige Gesichter,

Unter den Tischen unruhiger Fuß.

Über den Tischen wärmende Lichter,

Unter den Tischen: Tritte und Schluss.

 

Über den Tischen alternde Bäume,

Unter den Tischen Wurzeln im Gift.

Über den Tischen ruhigere Träume,

Unter den Tischen: versiegelt, verbrieft.

 

Jetzt haben wir wieder Wochenschande.

Haben Sie auch Lotto gelallt?

Mit System gekillt. Morgen kommt Regen!

Küß Gott!

 

Über den Tischen gefüllt schon die Gläser,

Unter den Tischen verschütteter Wein.

Über den Tischen Zigarettenrauchbläser,

Unter den Tischen: Bein über Bein.

 

Über den Tischen feine Garderobe,

Unter den Tischen hetzen und hassen.

Über den Tischen gut aufgehoben,

Unter die Tische fallengelassen.

MANCHMAL

 

Manchmal spiele ich mit Worten.

Manchmal bewein' ich mich an Orten,

Die mich einmal herzlich trafen.

 

Manchmal straffe ich die Zügel.

Manchmal bestell' ich mich auf Hügel,

Die mir freien Blick verschaffen.

 

Manchmal pack' ich mich am Kragen.

Manchmal befrag' ich mich mit Fragen.

Lasse alle Fragen offen.

 

Manchmal denke ich in Lügen.

Manchmal verträum' ich mich in Zügen.

Hab' den Ausstieg längst verschlafen.

VORBEI

 

 

Und dann ist es plötzlich vorbei

Du weißt nicht mehr, daß

Das letzte Mal das letzte Mal war.

 

Erst jetzt bist du still, kein Geschrei.

Kein Mensch fragt dich was

War letztes Mal das letzte Mal, was?

 

Und dann willst du plötzlich nur treu,

Nur bei ihr noch sein

Ein letztes Mal, ein einziges Mal.

 

Jetzt ist die Erinnerung neu

Gesicht klar und fein

Ein letztes Mal, ein einziges Mal.

 

Erst wolltest du, jetzt bist du frei.

Du schimpfst dich ein Schwein.

Zum letzten Mal bis zum nächsten Mal.

ZUCKERLOS

 

Ich wart auf dich seit Stunden,

Die Uhr geht himmelwärts.

Mein Kopf dreht seine Runden

Und Wunden

Schlägt mein Herz.

Den Kaffee trink ich

Zuckerlos schwarz.

 

Schon lang ist Sendeschluß.

Die Wände werden still.

Ich höre was ich muß

Und hör nicht

Was ich will.

Den Kaffee trink ich

Zuckerlos schwarz

 

Wer hat in mir entfacht

Das komische Gefühl.

Die Katze sitzt und lacht,

Die Nase

Naß und kühl.

Die Augen schauen

Zuckerlos schwarz

 

Ich wart auf dich seit Stunden

Die Uhr geht himmelwärts

Mein Kopf dreht seine Runden

Und Wunden

Schlägt mein Herz

Den Kaffee trink ich

Zuckerlos schwarz

0 UHR 10

 

Letzte Worte, 0 Uhr 10

Wollen wir uns wiedersehn

Sie will gehen, weil sie muß

Und sie will noch keinen Kuß

 

Nasse Straße, alles frisch

Etwas zieht dich übern Tisch

Du vergißt schon, was du trinkst.

 

Letzte Runde, 1 Uhr 10

Was ist zwischendurch geschehn

Alles steht so, wie es muß

Gläser wie aus Eisenguß

Etwas zieht dich übern Tisch

Nasse Straße, alles frisch

Du vergißt den Zug und winkst.

Nasse Straße, alles frisch

Etwas zieht dich übern Tisch

Du vergißt dich schon und sinkst.

KEINE KÜSSE

 

Durch die Blätterwälder weht's:

Keine Küsse. Na, wie steht's?

Horror, Liebe, Sex and Crime

Und wir gehen auf den Leim.

 

Grau und regnerisch,

Menschen gegnerisch,

Laufen über Taubendreck

Um die Ecke, sie sind weg.

Nur das Gurren ist geblieben

Und die Tropfen und der Müll.

Es ist kühl.

Ein paar Lieben räkeln sich.

 

Ach man kennt

Sich am End.

Und es ist

Nichts passiert.

Nur ein Mensch

Implodiert.

 

Grau und regnerisch,

Menschen gegnerisch,

Laufen über Taubendreck

Um die Ecke, sie sind weg.

Nur das Gurren ist geblieben

Und die Tropfen und der Müll.

Es ist kühl.

Ein paar Lieben räkeln sich.

SO GRAU

 

Wir lernten uns, wie sagst du, kennen.

Wir kamen spät, du sagst, nach Haus.

Wir werden uns, sagst du, verbrennen.

Dann ist der Ofen, sagst du, aus.

 

Ich möchte, sagst du, keine Dramen.

Ich fühlte mich wie einst im Mai.

Ich kannte noch nicht deinen Namen,

Da sagst du schon es ist vorbei.

 

So grau, ganz grau,

Ein dunkler Himmel zieht sich,

Eine dicke Wolke weint sich aus.

So grau, ganz grau,

Wie geht es dir, man sieht sich,

Wir liegen still im Bett

Und finden uns ganz nett

Und einerlei.

 

Wir lernten uns, wie sagst du, kennen

Und fühlten uns wie einst im Mai.

Wir werden uns, sagst du, bald trennen

Dann sagst du, es ist vorbei,

Wir liegen still im Bett

Und finden uns ganz nett

Und einerlei.

LÜGEN

 

Tage kommen, Tage gehn,

Johnny Walker bleibt.

Ich geh fort, ich bleibe stehn,

Ich weiß, was sie treibt.

 

Lächeln groß, Augen klein,

Nein, ich weine nicht.

Ich geh raus, ich komme rein,

Regen im Gesicht.

 

Lügen, Lügen!

 

Bin noch wach, bin noch da.

Geht mir gut, bis morgen.

Gute Nacht, la la la,

Mach dir keine Sorgen.

 

Liebe dich, bleib bei mir.

Zeit heilt alle Wunden.

Schon halb drei, schon halb vier,

Hab noch andre Kunden.

 

Lügen, Lügen!

 

Ich bin stolz, Fahnen wehn,

Es ist immer Sonntag.

Tage kommen, Nächte gehn,

Regen fällt am Montag.

 

Lügen, Lügen!

ZINNOBERGLUT

Ich liebte ein Mädchen,

Was sage ich,

Oder sie mich.

Sie zeigte ihr Zimmer,

War das nicht toll,

Alles stand voll.

 

Ich wollte was machen,

Nahm Tee mit Rum

Und trank mich dumm.

Wir redeten Sachen,

Quatschten bis zwei,

Was ist dabei.

 

Wir zogen und küssten

Flogen ins ins Bett

War das nicht nett?

Wenn, wenn wir nur wüssten.

Morgens, wie fein,

War ich allein.

 

Schlaf, schlaf, Ungeheuer,

Alles ist schwarz

Und dick wie Harz.

Ich zündete Feuer,

Zinnoberglut,

Kiefer brennt gut,

ANDERS

 

Ist das Leben anders, als man denkt,

Oder hat man es dir wirklich nur geschenkt?

Hat es dir die Mutter nur geliehen,

Hast du ihr dafür denn schon verziehen?

 

Hat Vater denn gewusst von Anfang an,

Dass das Warten auf den Tod damals begann?

Oder hat es ihn nicht interessiert?

In welches Bett hat Mutter dich verführt?

 

Das Leben ist nicht anders als man denkt.

Du kriegst die Krise, oder wirst gehängt.

Du bist glücklich, wenn du durch die Runden krebst

Und die letzte – überlebst.

Es ist nicht anders als man denkt,

Es ist nicht anders als man…

 

Der letzte große Kampf, an den du denkst,

War ein K.O., das ahnten wir schon längst.

Jetzt bist du froh, wenn du dir keine fängst

Und das Gelächter deiner Zuschauer verdrängst.

 

Ist das Sterben nicht der letzte Dreck,

Oder nimmt man dir das Leben einfach weg.

Oder hat es dich nicht interessiert?

Hast du deine Mutter gut verschnürt?

 

Das Leben ist nicht anders als man denkt.

Du kriegst die Krise, oder wirst gehängt.

Du bist glücklich, wenn du durch die Runden krebst

Und die letzte – überlebst.

Es ist nicht anders als man denkt,

Es ist nicht anders als man…

BIN NOCH DA

 

Früh am Morgen - bin noch da.

Spät am Abend - bin noch da. 

Schau ich in die Kneipe, ruf ich erstmal: 

Bin noch da, bin noch da. 

 

Mach mir Sorgen - bin noch da. 

Kalt am Morgen - bin noch da. 

Komm ich auf den Friedhof, ruf ich erstmal: 

Bin noch da, bin noch da. 

 

Zeit. 

Zeit krümmt meinen Raum. 

Der Wind - ich spür’ ihn kaum. 

Die Welt bedeuten Bretter 

Und ich geh bei jedem Wetter 

In den Morgen - bin noch da. 

Keine Sorgen - bin noch da. 

Geh’n die Lampen aus, ruf ich erstmal: 

Bin noch da, bin noch da. 

 

Zeit. 

Zeit krümmt meinen Raum. 

Der Wind - ich spür’ ihn kaum. 

Die Welt bedeuten Bretter 

Und ich geh bei jedem Wetter 

In den Morgen - bin noch da. 

Keine Sorgen - bin noch da.

Schließt du deine Augen, 

Ruf ich erstmal: 

Bin noch da, bin noch da. 

Bin noch da.

ENTGRENZT 

 

Wir loaden up, up 

Wir loaden down. 

Dideldupdideldupdideldup. 

Du siehst nicht was du kennst. 

Wir loaden down und gehn mal schaun - 

Die ganze Welt entgrenzt. 

Dideldupdideldupdideldupdideldup. 

 

Der Satellit sendet, es lasert der Laser, 

Der Killer er killert herum, 

Er ballert und knallert, es jodelt der Faser, 

Und diddelt und dödelt sich dumm. 

Die RTL-Frau, das Ferkel-TV, 

Die Fernbedienung zersplittert, 

Das Auge schon blau, der Himmel vergittert, 

Das Handy lädt Titten und twittert. 

 

Wir loaden up, up 

Wir loaden down. 

Dideldupdideldupdideldup. 

Du siehst nicht was du kennst. 

Wir loaden down und gehn mal schaun - 

Die ganze Welt entgrenzt. 

Dideldupdideldupdideldupdideldup. 

 

Der Vater so blass, die Mutter so dick, 

Der Sohn ist müde vom chillen, 

Der Vater, er hört beim chatten Musik, 

Die Mutter, sie hat keinen Willen.

Und nimmt ihre Pillen.

 

Performance Cross-Over, Location O.K., 

Es flimmert das Experiment, 

www www du Diddeldu Day, 

Dot com und Backslash und Fragment. 

Wir ficken und lecken und hacken und wecken, 

Und lappen und loggen uns ein. 

Die Zicken, sie stecken den Stick in ihr Becken 

Und dotten und commen allein. 

Wir loaden up, up Wir loaden down.

7 MEERE

 

Ach, 7 Meere wollen dich durchtoben

Und die Gezeiten ziehen dir am Magen.

Ein nasser Himmel öffnet sich ganz oben,

Den liebsten Ohren kannst du nichts mehr sagen.

 

Du atmest noch, doch bleibt dein Atem stecken,

Ein Nachtmar steht dir heute noch bevor.

Bald schläfst du fest, du willst dich nicht mehr wecken,

Doch irgendjemand flüstert in dein Ohr.

 

Die Mittagssonne brennt in deiner Brust,

Salziges Wasser drückt sich durch die Lider.

Du fühlst so viel und hast doch keine Lust,

Ganz mondessüchtig werden alle Glieder.

 

Und Möwen fliegen dir durch die Pupillen.

Sie schreien, wissen nicht wohin, woher.

Du weißt es noch, du hattest einen Willen,

Du suchst die ruhigen Tiefen in dem Meer,

 

Das deines war, von all' den wilden sieben.

Das still schon einmal stand in deinem Inner'n.

Du hattest deine Ruhe, deine Lieben,

Du zähltest nie zu Siegern, zu Gewinnern.

 

Doch jetzt kannst du verlieren nicht ertragen.

Du stellst dir immer wieder etwas vor.

Den liebsten Ohren kannst du nichts mehr sagen,

Doch irgendjemand flüstert in dein Ohr.

© 2015 Joe Knipp

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